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Bestattungskultur im Wandel . . .
". . . .Natürlich ist noch nicht ausgemacht,
ob deshalb in absehbarer Zeit unsere Friedhöfe nicht
mehr gebraucht werden. Umso mehr bedarf es schon heute
einer Diskussion wohin der Weg unserer Begräbnis- und
Friedhofskultur führen soll. Es bedarf dazu zum einen
der Besinnung auf den Sinn unserer traditionellen Friedhofskultur
wie auch des Nachdenkens über neue Formen der Gestaltung
der Orte der Trauer.
Die christlichen Kirchen haben in der
gegenwärtigen Diskussion einige christliche Grundanliegen
im Umgang mit den Verstorbenen formuliert, die ich kurz
nachzeichnen möchte:
1. Gegen die Tendenz der Anonymisierung
gilt es daran festzuhalten, dass der Name an der Begräbnisstätte
ein unverzichtbares Merkmal der Würdigung der bleibenden
Individualität der Verstorbenen vor Gott ist. Anonyme
Massengräber sollten bleibend einer Vergangenheit angehören
- als die Armen namenlos in solchen Gräbern verscharrt
wurden.
2. Gegen die Tendenz zur Privatisierung
gilt es den Friedhof als Ort des kollektiven Totengedenkens
zu bewahren. Die Verdrängung der Wirklichkeit des Todes
führt am Ende nur zu einer trostlosen Gesellschaft.
Eine Kultur des Memento mori ist heute nicht weniger
notwendig als zu allen Zeiten. Öffentliche Friedhöfe
können ein wichtiger Beitrag dazu sein.
3. Ich möchte hier aus einer Stellungnahme
unseres badischen Oberkirchenrats zitieren: Begräbnisstätten
sollten ein besonderer, geschützter Raum sein. In allen
Kulturen gibt es aus letztlich psychologischen Gründen
den besonderen Ort der Totenruhe. Dieser geschützte
Raum ist ein Ort, in dessen bewusster Gestaltung sich
die Kultur einer Zeit ausdrückt. Deswegen sind vielfältige
Gestaltungsformen von Gräbern sinnvoller als eine Privatisierung
der Bestattungsorte. In diesem Sinne lohnt sich der
Einsatz für eine lebendige, vielfältige Friedhofskultur.
Friedhöfe sind Orte gesellschaftlicher Gedenkkultur.
Es ist wichtig, dass es solche Orte gibt. So könnten
z.B. auch Gedanken des Friedwaldes durchaus innerhalb
vorhandener Friedhöfe verwirklicht werden.
Der Wunsch nach einer individuellen
Gestaltung der Begräbnisformen wie der Begräbnisstätten
aber ist eine Aufgabe, die allen Beteiligten wie kirchlichen
Mitarbeitern, Bestattern, Steinmetzen, Gärtnern aber
auch den Friedhofsverwaltungen neu gestellt ist. . .
. . . . .
Ich verstehe auch die Ausstellung,. . . . . als einen
Beitrag zu einer solchen Entdeckung der vielfältigen
Formen des ‚Trostes der Blumen' und als eine gleichermaßen
sinnvolle wie sinnliche Unterstützung der Trauernden
auf ihrem Weg zurück ins Leben.
Abschließend noch eine kleine Bemerkung zur Sprache
der Blumen.
Bei meinem Stöbern im Internet bin ich auf eine Seite
gestoßen, in der die Symbolsprache der Blumen erläutert
wird. Nur einige wenige Beispiele: Chrysantheme: seit
dem 19. Jahrhundert als Totenblume bekannt, Symbolblume
des Herbst und der Macht, aber auch der Liebe über den
Tod hinaus Gräser: Sinnbild für Vergänglichkeit des
Lebens Rosen: Sinnbild für Vergänglichkeit und Tod -
und natürlich auch für die bleibende Liebe, die die
Angehörigen mit ihren Verstorbenen verbindet.
Wer die Symbolsprache der Pflanzen versteht, sieht Gräber
mit anderen Augen. Vielleicht kann auch dies ein kleiner
Beitrag sein, den Schatz des Trostes und der Hoffnung,
den wir auf unseren Friedhöfen und Gräbern haben neu
zu entdecken."
. . . . zitiert aus Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung
‚Trost der Blumen' in der Blumenhalle der LGS Bad Rappenau
am 16.09.08
Pfarrer Joachim Bollow, Evang. Kirchengemeinde
Bad Rappenau
Symbolik der pflanzen siehe unter
Dauergrabpflege Württemberg
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